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Open Source beendet Entwicklung?

Heute erreichte mich eine Mail mit folgender Frage:
Opensource: heißt das, dass Sie eforia nicht mehr weiter entwickeln und pflegen. Haben Sie ein neues Programm als Ersatz?

Oh ja, genau das bedeutet das. Genauso wie Linux, Apache oder OpenOffice seit Jahren bekanntlich nicht mehr weiterentwickelt werden. 8-)

Im Ernst:
Die Freigabe als OpenSource bedeutet tatsächlich den Wegfall vieler Arbeiten. Den Aufwand aus einer Software ein Produkt zu machen ist nämlich ein vielfaches von dem, die Software zu programmieren. Damit meine ich nicht einmal Dinge wie Dokumentation oder Setup/Installations-Hilfen. Diese benötigen wir nach wie vor. Aber ich brauche keine Verpackung mit EAN-Code mehr, keine Flyer, keine Werbung, kein Affiliate-Programm, keine CDs, keine Pressearbeit, keine Versandabwicklung, keine Aktionen, keine Lizenzverwaltung, keine Vertriebskanäle, keine Messen, keine Banner, usw..

OK, ein wenig Werbung und Pressearbeit wäre zwar ganz nett, ist aber jetzt eher was, worum man sich eben kümmert wenn man Zeit hat. Vorher war es Pflicht und dazu noch eine, in der wir nicht besonders gut sind. Alle Versuche das zu ändern, das muss ich leider zugeben,  sind gescheitert. Es floss viel Zeit und Geld dafür.

Ich fühle mich nun ebenfalls wesentlich freier. eforia kann nun Funktionen bekommen wie ich oder andere Anwender es für richtig halten. Egal ob sich eine Funktion verkaufen lässt oder nicht. Das bedeutet beispielsweise ich kann auch Erweiterungen machen, die nur mit dem Apache-Webserver funktionieren. Bisher ging so etwas kaum, weil wenn eine Funktion irgendwo dokumentiert oder gar damit geworben wird, muss sie eben überall da funktionieren, was als Systemvoraussetzung angegeben ist. In einem Werbetext kann man nicht bei jeder Kleinigkeit anfangen detaillierte Unterscheidungen aufzuführen.
Konkret: Wenn ich nun beispielsweise einen Editor für .htaccess-Dateien einbaue, so muss ich mir keine Sorgen darüber machen, dass jemand das so versteht, als ob eforia dafür sorgt, dass auch auf einem IIS-Webserver diese Dateien benutzt werden können.

OK, vielleicht ist das auch nur ein Problem von mir, dass ich niemanden etwas versprechen will, was hinterher nicht gehalten wird. Ich bin eben kein Werber.

Etwas anderes, was mich entlastet, aber sicher nicht als Vorteil für den Anwender wahrgenommen wird, ist der Wegfall des Supports. Nein, kein völliger Wegfall, aber doch Einschränkungen. Kostenpflichtige Hilfe gibt es nach wie vor. Wer aber kostenlose Hilfe möchte, muss sich ans Forum wenden. So steht das Wissen nicht nur einem, sondern allen zur Verfügung. Auch kann es schon mal sein, dass ich keine Lust habe Fragen zu beantworten, wenn der Fragesteller sich nicht mal die Mühe gibt die Frage vernünftig zu stellen. Oder er hätte mit 2 Minuten Recherche die Lösung längst gefunden.

Oder noch besser finde ich die Leute, die meinen, wenn sie für 70 Euro eine Software gekauft haben, steht ihnen auch zu, dass man ihnen damit die komplette Website baut. Also nicht etwa: "Haben Sie einen Tipp wie ich meine alte Website übernehmen kann?" sondern "Anbei meine Frontpage-Dateien und FTP-Zugangsdaten für meinen Provider xyz. Bitte installieren Sie dort eforia und importieren Sie die alten Daten.". Das schlimmste bei solchen Leuten ist, dass wenn man sich die Zeit nimmt, eforia installiert und ihnen in Stunden beibringt, wie sie die Daten am Besten übernehmen, es immer unschön endet. Es reihen sich Wochen mit 2-3 Support-Mails pro Tag und irgendwann erreicht einen eine Nachricht in der Form "Die Software ist ja total sch**e. Ich will mein Geld zurück. Außerdem verklage ich sie auf Schadensersatz für die bisher aufgewendete Zeit.".

OK, das ist übertrieben. Aber so weit weg von der Realität ist es gar nicht. Mit 13-jähriger Supporterfahrung kann ich aber sagen: Die Leute, die am unverschämtesten Support verlangen, machen garantiert Probleme, wenn sie diesen Support bekommen.
Unverschämt meint dann beispielsweise Jemand, der nichts von HTML versteht, aber für Kunden als Dienstleistung die Erstellung von HTML-Seiten anbietet. Das versucht er dann über den kostenlosen Support abzuwickeln.

Genug geschimpft. Sorry.

Natürlich helfe ich gerne, wenn jemand Probleme mit meinem Baby eforia hat. Ich glaube, nicht mal die oben beschriebene Spezies hat sich da bisher beschweren können. Besonders mag ich, wenn es knifflige Fragestellungen sind, wie man was am geschicktesten Lösen könnte. Klar helfe ich da gerne. Da kann ich ja zeigen was eforia kann. 8-)
Auch kann es ja sein, dass an einem Problem einfach ein Software-Fehler schuld ist. Software hat nun mal Fehler, gerade die Beta-Versionen dürfen das sogar. Ganz fehlerfrei bin selbst ich trotz 25 Jahren Programmiererfahrung nicht. 8-)
Und letztendlich ist der Support auch ein guter Rückkanal für die Probleme und Wünsche der Anwender. Also Support ist wichtig. Support ist eine Chance und nicht nur Last.

Das ist nicht das Problem. Aber das ich unverschämte Leute in Zukunft einfach ignorieren kann, das freut mich dann doch. 8-)
Zu ehrlich? Hey, das ist ein Blog und keine Pressemitteilung. Die Kommentare stehen jedem offen auch anderer Meinung zu sein.


Aber zurück zum Anfang. Opensource bedeutet nicht, dass eforia nicht weiter entwickelt wird. Momentan eher im Gegenteil. Es bedeutet, dass ich mehr Zeit in die Entwicklung investieren kann und mich nicht mehr mit dem "Außenrum" aufhalten muss. Aufgeben würde ich die Entwicklung, wenn es niemand benutzt. Wobei ich im Moment so viele private und firmeninterne Projekte damit laufen habe, dass mich auch das nicht mal stören würde. 8-)

Achso, und eforia ist ja auch mehr als eforia web manager. Darin steckt ja das eforia Framework, die tdblib-Funktionen und auch die tdbengine. Damit machen wir unsere Kundenprojekte. Das ist die Basis der ganzen Firma und ebenfalls OpenSource. Wenn wir das nicht mehr weiterentwicklen, könnten wir zu machen.

Dieser Artikel wurde veröffentlicht am 01.10.2007 um 17:49 Uhr. Noch kein Kommentar.

eforia goes Open Source

Heute darf ich eine Nachricht weitergeben, auf die ich mich schon lange freue: eforia web manager ist frei.

Frei im Sinne von Freibier, also kostenlos. Aber auch frei im Sinne von offen, also Open Source.

Über diesen Schritt hatte ich schon lange nachgedacht. Unser Kerngeschäft ist ja die kundenspezifische Programmierung und nicht der Verkauf von fertigen Software-Produkten. Auch unsere Datenbank, die tdbengine, ist schon lange frei verfügbar, genauso wie zahlreiche andere Tools und Programmierer-Bibliotheken. eforia web manager als Produkt hat sich zwar durchaus gut gehalten, wir sind aber doch eher Programmierer und keine Marketer. Der Aufwand um ein Produkt zu verkaufen ist einfach sehr hoch und nicht wirklich unsere Kompetenz. Und sicher auch nicht unsere Leidenschaft. Ich glaube die aufgewendete Zeit ist viel besser in der Entwicklung aufgehoben.

Dazu kamen noch andere Überlegungen. Wenn man eigene Module für ewm programmiert, ist der Blick in den gesamten Quellcode eine echte Hilfe. Das habe ich selbst in den letzten Monaten immer stärker bemerkt. Wer im Forum mitliest, wird schon gesehen haben, dass ich deshalb auch bisher durchaus bereit war, Einblicke in den Quellcode zu gewähren. Ich hoffe nun wird es für Modul-Entwickler deutlich leichter und es werden sich daher auch mehr finden.

Ich muss gestehen, dass ich selbst vermutlich ewm selbst nicht eingesetzt hätte, weil es mich abgeschreckt hätte, mich in ein Produkt einzuarbeiten, wofür ich dann immer wieder Lizenzen kaufen muss. Ich bin da eher der OpenSource-Fan.

Wie geht es nun weiter?

Für die aktuelle Version ewm4 habe ich einfach einen Lizenzschlüssel veröffentlicht. Das hat den Vorteil, dass wir nichts an der bestehenden Version ändern müssen. Es gibt also keinen Unterschied zwischen der bisherigen und der freien Version. Das ist mir aus Gründen der Pflege sehr wichtig.

Der Quellcode wird allerdings nur von ewm5 veröffentlicht. Ich möchte nicht, dass jemand noch an der 4er Version weiterentwickelt. Alles soll in die 5er münden. Es wird ein öffentlich zugängliches Subversion-System [Link entfernt, weil Linkziel leider nicht mehr verfügbar] geben, wie wir es auch bei unseren anderen Open-Source-Projekten benutzen. Bis ich das bereitstellen kann, werden aber noch ein paar Tage vergehen. Ich müsste dazu erst die aktuellen Entwicklungen abschließen und "einchecken". Dort findet dann jeder den Quellcode. Allerdings gibt es leider noch keine einfache Make-Routine oder ähnliches. Auch enthält das fertige "Produkt" eforia web manager Teile aus dem eforia Framework, das bereits als eforia-base veröffentlicht wurde. Es ist also nicht ganz so leicht, selbst eine lauffähige Version zusammen zu stellen. Daran müssen wir noch ein wenig arbeiten. Aber einzelne Teile zu ändern und einzusetzen dürfte jetzt schon kein Problem sein.

Ich rechne ehrlich gesagt auch nicht damit, dass sich nun Horden von Programmierern auf eforia web manager stürzen. Aber wer Interesse an der Weiterentwicklung hat, ist gerne dazu eingeladen. Einfach bei mir melden.

So, ich hoffe die Überraschung ist gelungen. Ich würde mich über ein wenig Feedback in den Kommentaren freuen. 8-)

Dieser Artikel wurde veröffentlicht am 19.09.2007 um 11:40 Uhr. 3 Kommentare.
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Hier bloggt Horst Klier mit und über eforia web manager und was dazugehört (HTML, Javascript, Internet, Webdesign, Such- maschinenoptimierung, usw.).

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Letzte Aktualisierung dieser Seite: 22.06.2024 / 03:17:21
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